Dienstag, 24. Februar 2009

zelten, klettern, raus aus der Stadt


ja ihr lest richtig! ich war ein langes Wochenende in der Natur.

Aber vorher noch kurz ein Satz zu unserer fiestita Aleman am vergangenen Wochenende. Chris Julia und ich haben unsere Freunde und Kollegen eingeladen und uns dafür Freitagabend und samstags zum Fleischpflanzerl(danke Papa fürs geniale Rezept)und Kartoffelsalat machen, Brezenbacken (danke Belle:-))und Weisswürstel testen in die Küche gestellt.
Von unseren hausgemachten Spezialitäten waren die Argentinier echt begeistert, und nach ein paar Warsteiner und Fernet con Cola ist die Feier auch ziemlich gut in Gang gekommen.
Wir müssen jetzt an sämtliche Leute Brezenrezepte verteilen oder sogar das Backen beibringen...

So nun zu den letzten paar Tagen:
Am Freitag um halb 10 sind wir mit dem Mirco in Richtung Villa Carlos Paz bei Cordoba 750km entfernt gestartet. Dann am nächsten morgen gings weiter mit einem kleineren Bus in die Sierra de Cordoba hinauf bis zum Klettergebiet Las Olas mitten im Nichts.

Sitzplätze hatten wir keine mehr ergattert also haben wir die eineinhalb Stunden Bergfahrt im Stehen auf dem Gang verbracht. Bei der Rückfahrt gabs auch keinen Sitzplatz, war uns der Boden im Mittelgang aber auch ausreichend, müde wie wir waren.

Angekommen im Nebel -wieder mal mystical view wie in Peru - haben wir im Garten eines alten Ehepaares neben einem kleinen Wasserfall unsere 3 Zelte aufgeschlagen um sogleich an die Wand nebenan zum klettern zu gehn.
Da es dort ein paar Höhlen zum Bouldern gibt wäre uns Regen sogar egal gewesen.
Zum Schluss gabs noch eine Route mit 2 Seillängen zum üben.

Müde von der Reise und dem Tag haben wir uns im Nebel ein paar Nudeln gekocht, und trotz Feuchtigkeit und Kälte noch lange geratscht, bis es angefangen hat zu regnen und wir in die Schlafsäche gekrochen sind.

Dafür hat uns am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein geweckt und uns so für unseren Optimismus angesichts der miserablen Vorhersage belohnt.
Am Sonntag sind wir nach eineinhalb stündigern Wanderung am Gebiet La Ballena (der Wal) angekommen. Feinster Granit als ob noch nie jemand daran geklettert wäre.
Allzuoft wird das sicherlich auch nicht besucht, nachdem kein Weg hinführt und selbst Hernan, unser Guide, kurz mal unsicher war wos langgeht.
Er hat dort schon einige Routen eingebohrt und auch am Sonntag eine neue geschaffen. Den Namen haben wir noch nicht, aber unser Favorit ist der Spruch des Tages: "Max, hace algo!" Das heisst so viel wie "Max, mach irgendwas!!"

Der kam nämlich erstmals auf der Herfahrt im Bus um halb 6 von Vanesa zur Anwendung, als der Fahrer ein Shakiravideo lautstark zum Wecken eingelegt hat. Wohlgemerkt sind wir erst um halb neun angekommen...
Ausserdem immer wenn jemand in der Wand nicht weiterwusste.: "Max, hace algo!"
Max war zwar das erstemal am Fels, doch mit seiner unerschütterlichen Psyche alles kein Problem:-)
beneidenswert.

Abends nachdem klettern haben wir in der kleinen Lagune neben unseren Zelten gebadet, danach gekocht geratscht und einen unvergesslichen Süd-Sternenhimmel genossen.

Gestern schliesslich haben wir noch einen super Sektor beklettert der den schönen Namen "ultima sol de Marzo" trägt. Wir hatten tatsächlich bis spät abends Sonne. Etwas viel vielleicht bei der Hitze, aber die Wände sind ein Traum.
Technisch ziemlich anspruchsvoll für mich, aber richig schön.
Und die Einstufung der Schwierigkeitsgrade scheint mir hier auch etwas härter zu sein. Ok, ich hatte ca ne 4 monatige Kletterpause, aber holla die Waldfee, da braucht man Neven. Bei den Abständen der Hacken allemal!

Jetzt nach 3 Tagen Granit tun mir meine Fingerspitzen weh und Muskelkater hab ich auch! :-) ich muss wieder trainieren und hab richtig Lust drauf! Also gehts am Donnerstag abend gleich wieder zum klettern. Nächstes Wochenende ist erstmal Carnaval in Guale angesagt, aber der nächste Ausflug nach Tandil zum Klettern ist auch schon ins Auge gefasst. Alles nicht so einfach bei den Distanzen in Argentinien, aber egal:-)

Es schreibt Euch eine glückliche Corinna, die soeben ihre FiveTen wieder in goldene Stadtschiksen-sandalen eingetauscht hat und sich bald wieder ins Buenos Airer Nachtleben begibt. Heute Kino unter Freiem Himmel!

---mehr zu sehen gibts wie immer links unter "Buidln"-----------

Sonntag, 8. Februar 2009

wunderbares wochenende

Nun ist schon wieder Sonntag abend und ich hab 2 super Tage in BA und der Provinz verbracht.
Das Wochenende hat schon am Freitagabend fantastisch begonnen. Chris ist gelandet und in seinem Gepäck mein Foto, mein Ipod und meine neuen Bankkarten! Und einen super Fotokalender vom Roman und der Miri.
Endlich kann ich Euch wieder Bilder auf den Blog stellen und meine Musik in der Subte hören!

Am Samstag hiess es erstmal um 6Uhr aufstehen, damit ich mit Chris und Mira zum Treffpunkt ausserhalb der Stadtgrenze fahren konnte. Pünktlich um kurz vor acht waren wir am verabredeten Ort, um uns mit 11 anderen Argentiniern zum Fallschirmspringen zu treffen. Natürlich wollten wir gemeinsam mit den Autos rausfahren und knapp ne dreiviertel Stunde nach vereinbarter Zeit, waren dann auch alle da und wir haben uns auf den Weg gemacht.
Wir hätte also locker noch ne Stunde länger schlafen können. :-)
Zusammen mit einem Kollegen von Chris sind wir dann nach Lobos ca 100km in die Provinz von BA gefahren. Natürlich nicht ohne uns zu verfahren.

Ich muss zugeben, dass der Anblick unseres Flugzeuges und der Fallschirme nicht zu meiner Entspannung beigetragen haben.

Nachdem wir uns kurz ungesehen haben, gings auch schon los und die ersten 3 Mutigen sind in der Propellermaschine auf der Graspiste gestartet.
Ich hab erst hingesehen, als alle 3 die Fallschirme geöffnet hatten. So aufgeregt war ich, dass ich nicht sehen wollte wie sich die Irren aus dem Flugzeug stürzen. Als ich dann an der Reihe war, meine Ausrüstung anzuziehen, war ich schon ganz schön nervös. Mein Pilot Pablo hat nur geantwortet, er sei es auch. Sehr beruhigend. Trotzdem hat er nen ziemlich relaxten Eindruck gemacht und sah so aus, als wüsste er was er da macht. Gut, dann noch eine ausgiebige Einweisung nach dem Motto, du musst die Füsse aus dem FLugzeug auf die kleine Stufe stellen, dann schubste ich dich raus, dabei die Hände an den Gurt, Füsse nach hinten und später Hände und Füsse ausstrecken. Wie ein Vogel! Naja das ist ja einfach....

Schon saßen wir wie die Ölsardinen im Flugzeug auf dem Boden, jeder Passagier fast auf dem Schoß von seinem Piloten. Langsam schraubt sich die kleine Chesna höher über die Pampa. Ziemlich hoch finde ich und wage einen Blick auf den Höhenmesser. Erst 900m.. Fehlt doch noch ganz schön was bis zu den 3000m von den wir uns aus dem Flugzeug stürzen werden... oh oh.
Die beiden argentinischen Jungs sind mittlerweile auch recht still geworden.
Zu meiner Versicherung und Ablenkung frage ich meinen Piloten, wie ich eigentlich an ihm befestigt werde und ob ich einen Helm bekomme und überhaupt wie wir das so machen werden.
Dann endlich nachdem wir die Höhe erreicht haben und die Rinder auf den Wiesen unter schon kaum mehr erkennbar waren, sitze ich fest an meinen Piloten gezurrt mit Lederkäppchen und Schutzbrille da, sehe wie die Tür unter dem Flügel aufgeht, spüre den kühlen Fahrtwind, höre den Lärm der Maschine noch lauter, und sehe wie erst Matias und dann Lucas verschwinden.
Mein Herz dürfte in dem Moment so laut gerast haben und wenn die kleine Chesna nicht durch Wind und Propellor noch grösseren Lärm gemacht hätte, hätte man das Klopfen bestimmt hören können.
Was mach ich hier grade? Ich kann doch jetzt hier nicht aus dem offenen Flugzeug einfach raus?!!
Naja, schon bewegen wir uns zur Öffnung. krass, die Beine sind draussen es ist ganz schön windig, ich kralle mich in der kleinen Öffnung fest, doch nun muss ich mich ja mit den Händen am Brustgurt festhalten. kurz noch realisiere ich dass ich gleich wirklich aus dem fliegenden Flugzeug fallen werde und dass wir echt verdammt hoch sind.
Dann hab ich gar keine Zeit mehr zu zaudern, zu denken, denn ich befinde mich schon im freien Fall.

Nach einer ersten unglaublichen Schrecksekunde, ist es nur noch fantastisch! knapp eine Minute freier Fall ist wirklich der Hammer. Dann zieht mein Pilot die Reissleine, und wir werden von dem kleinen Fallschrim etwas gebremst. Troztem war der Ruck den der Große verursacht ziemlich unangenehm. Danach ging es in sanften Kurven in guten 5 Minuten wieder auf die Erde.

Der Wahnsinn.
ich will nochmal!
Was für ein Gefühl durch die freie Luft zu fliegen.
Ees gibt sogar ein Video dass ich in den nächsten Tagen bekomme:-) live mein Sprung!

Danach haben wir zusammen noch einen super Asado-Nachmittag gehabt.


Und heut war ich mit Juli, die nach 3 Wochen Urlaub mit ihrem Freund endlich :-) wieder hier ist, in San Isidro am Peru Beach beim Klettern. Danach haben wir noch einen Licquado am Strand des Rio de la Plata in der Abendsonne getrunken und dann ab nach Hause. Der Weg ist zwar echt weit und wir haben fast eineinhalb Stunden im Collectivo Bus ohne Sitzplatz aber mit viel Körperkontakt nach Hause gebraucht. Egal, ich bin glücklich!

Morgen gehts wieder ins Büro wo es auch von Woche zu Woche mehr zu tun gibt und ich mich immer ein Stückchen nützlicher fühle:-)
Mehr Bilder vom WE gibts natürlich links in der Buidl-link-Liste.

Und wer Reiseideen braucht sollte mal unbedingt auf Julias Blog die Fotos ihrer Reise anschaun! Die sind der Hit!

Sonntag, 1. Februar 2009

Hauptstadt snapshots

Mittwochabend Schickimicki - Afteroffice in der Crobar:
schon in der Schlange habe ich bemerkt, dass alle Mädels in hohen Schuhen oder silbernen Sandalen da sind. Egal, hohe Schuhe brauch in dem Land nicht anziehn, ich komme mir auch so schon riesig vor und Neue Silbersandalen kann ich mir nicht kaufen, weil ich noch keinen Laden gefunden habe, der 41er Größe hat.

Der Türsteher will uns 4 Mädels gerade durchwinken, bis sein Blick auf meine Adidas fällt. " no zapatillos aca!" oh mann das ist peinlich. nach kurzem Schreck, erklären wir ihm kurz was das Problem ist;-) Da er selber nen Kopf kleiner ist als ich, sieht ers ein und lässt uns durch:-)


Freitag morgens übertrifft die BsAs Subte die London Tube, die dem Ruf zufolge, die vollste, heisseste und unzuverlässigste Ubahn überhaupt sein soll.
Die übliche schwüle Luft mit 35 Grad schlägt mir entgegen als ich mich zu den anderen in den Waggon stelle. Es hat die Nacht über geregnet und draussen ist es einigermassen kühl. Davon merkt man aber nix hier drinnen. Aber es sind ja nur 15 oder 20 Min bis zur Plaza de Mayo. Normalerweise....Und ist es heute nicht soooo voll, d.h. ich habe keinen direkten Körperkontakt mit wildfremden, schwitzenden Menschen. Ein Traum:-)
Bis die Ubahn im Tunnel stehen bleibt. Das ist nicht ungewöhnlich, aber diesmal zieht sich das Ganze noch ein bisschen hin. Ohne Info was los ist, ohne irgendwas. Nach 40 min, in denen die Argentinier komplett ruhig bleiben, kommt ein Schaffner durch der alle Türen zwischen den Waggons aufmachen, so dass man von hinten nach vorn durchgehn kann. Im ersten Wagen ist die vorderste Tür geöffnet,damit die wir aussteigen und zu Fuss weiter gehn können. Also bewegen wir uns allmählich nach vorn. Echt bewunderswert, die Ruhe und geduld der Leute hier. Immerhin ist Rushhour und alle müssen in die Arbeit. Todo tranquilo eben.
Bis dann eine Frau dem vorbeigehenden Schaffner den Weg abschneidet und ihn aufs Übelste beschimpft. In dem Moment scheint allen der Geduldsfaden zu reissen und eine kleine Revolte bricht los. Die meisten schreien den armen Schaffner an und rücken ihm für meine Begriffe ziemlich nah auf die Pelle. Aber auch untereinander kippt die Stimmung ins eher agressive. Ich verstehe zwar nur Bruchteile, aber den Schimpfworten und der Tonlage zu urteilen gehts ganz schön zur Sache. Es hätte mich nicht gewundert,wenn s nicht bei Worten geblieben wäre.
Die Tür, aus der zuvor einige aussteigen konnten, wurde inzwischen wieder geschlossen und ich stehe inmitten zeternder, streitender, schwitzender Menschen in einer völlig überhitzen und überfüllten Subte der Linie D.
Direkt neben mir steht eine Frau, die das Geschehen genau wie ich eher beobachtet. Wir müssen plötzlich laut lachen, weil die Situation schon etwas absurd ist.

Irgendwann nach insgesamt eineinhalb Stunden scheint das Problem verschwunden zu sein und die Ubahn zuckelt wieder los. Als ich dann ziemlich verschwitzt im Büro eintrudle, könnens meine Kollegen gar nicht fassen und meinen in Deutschland würde bestimmt immer alles pünktlich gehn und nie was stecken bleiben. Naja ist nicht ganz richtig, aber meistens kommt doch zumindest irgendwann mal ne Info was los ist. Und es hat auch keine 35 Grad in der Ubahn und man hat auch ein bisschen mehr Platz.
Aber wir ich bin eben nicht in Deutschland :-)


Samstag Nacht, Club Podestá, Palermo Soho , Buenos Aires:

Ich bin mit 2 Mädels unterwegs. Wir kommen ganz nach argentinischer Manier um halb 3 an zum tanzen. Bis plötzlich die Musik leise wird und das Licht heller. Die werden uns doch jetzt hier nicht rausschmeissen? Der Club ist voll, es ist vielleicht halb vier. Also keine Zeit schon zu schliessen. Als dann eine Barkeeperin druchläuft und die Leute bittet ihre Kippen auszumachen, erfahren wir, dass grade eine Inspección da ist und wenn die Musik wieder laut wird und das Licht ausgeht, gehts die Party weiter.
Inzwischen kommt läuft Jazzgedudel. Keiner raucht, das ist nämlich in Restaurants und Bars verboten. Es ist ein bisschen so wie auf einer Party zu Hause, bei der die Eltern zu früh heimkommen. Schon etwas merkwürdig. :-)
Der Ort ist wohl nicht als Disko angemeldet und darum der Zirkus mit Licht an, Barmusik usw. Schnell so tun als wärs ne normale Bar?!

Kaum war die Inspección aus dem Haus, gings weiter wie gewohnt:-) Sehr fein!

Dienstag, 27. Januar 2009




Die letzten beiden Wochenende war ich auf der Suche nach einem Strand in der Nähe von BA. Mir erscheinen die Distanzen doch etwas weit zu den gewöhnlichen Wochenendorten der Argentinier. Die fahren nämlich locker 450 km am Freitag abend hin um sich wie die Sardinen in Mar del Plata an den Strand zu legen und am Sonntag wieder heim.
Ist doch um die Ecke;-)
Statt dessen haben wir letze Woche Samstagabend wir dann eine Daiquiriparty auf Chris Balkon gemacht, sind dann auf dem Weg in die Disko in seinem Aufzug stecken geblieben. So sind wir ca 10 minuten immer zwischen Keller und erstem Stock auf und abgefahren. Beinahe hätten wir die Daiquiris nochmal durch den Koopf gehen lassen, aber wir konnten gerade noch rechtzeitig durch einen Sprung durch die aufgestemmte Tür zwischen 2 Stockwerken nach unten retten.:-)
Klar dass uns der Portero etwas erzürnt empfangen hat. Was fahren wir auch zu Sechst mit dem Aufzug für 5? Ich dachte ja bisher, die Gewichtsangaben wären großzügig kalkuliert... naja hier nicht: es sind ziemlich genau 75kg pro erlaubte Person. Das ist nicht wirklich viel, finde ich.

Letztes Wochenende bin ich mit Claire (einer Französin) nach Colonia in Urugay gefahren.
Knappe 60km über den Fluss. Ja echt, der ist so breit. Wenn Ihr auf dem Bild genau hinschaut, ist die Skyline von Buenos Aires am Horizont erkennbar.
In dieser hübschen minikleinen Stadt mit Unesco Weltkulturerbe-Siegel, gibt es ihn. Den Sandstrand:-)
ok, an einem Fluss der die Farbe von Milchkaffee hat, aber kühles Wasser, Sandstrand, Sonne, Palmen was will ich mehr an meinem Samstag nachmittag bei 37 grad im Schatten?




So waren Claire und ich wunschlos glücklich einmal dem Lärm der 11 Mio STadt entfliehen zu können.
Ausserdem haben wir zufällig das wohl einzige Wochenende erwischt an dem da echt was los ist. Die Llamadas - so heissen die Carnavalumzüge wie wir sie aus Rio kennen - beginnen in Uruguay immer in Colonia.
Totmüde bin ich aber schon um 1 im Hostel ins Bett gefallen und habe nicht einmal das Feuerwerk das auf der Strasse keine 20 m von unserem Zimmer entfernt stattgefunden hat, mitbekommen.

Ein bisschen müde bin ich immer noch. Und neben Klimaanlagen bedingter Erkältung platzt mein Kopf bald auch noch vor lauter Spanisch hören und reden. Meine Kollegen haben wohl beschlossen nun gar keine Rücksicht mehr auf mich zu nehmen und legen in einer Geschwindigkeit in ihrem Lunfardo-Dialekt los, der es in sich hat. (Für diese Sprache gibt es sogar Wörterbücher)
Stellt Euch einen armen Spanier vor, der in Hannover! ein bisschen Deutsch gelernt hat. Den stetzt ihr in ein gut besuchtes Café in Berlin Neukölln wo er versucht einer Unterhaltung mit 5 bis 10 original Berlinern zu folgen, geschweigedenn sich daran zu beiteiligen.
Dann habt ihr ungefähr ein Bild wie es mir täglich geht.

Die Frage ist nur, ob meine Kollegen denken, ich wäre mittlerweile gut genug um das zu verstehen oder geben sie es auf mir was zu erklären... mein hoffnungsloser Optimismus lässt nur eine Antwort zu.

Heute habe ich nach fast 2 Monaten in Argentinien meine siemens-email adresse bekommen, und einen eigenen SAP zugang. Das ist wirklich kaum zu glauben, welche Ehre mir da zuteil wird. Jetzt kann ich endlich normal arbeiten:-)
Jetzt muss ich sehen, wie es mir mit der hiesigen Arbeitsweise so ergeht. Einige Unterschiede durfte ich schon feststellen.
Aber das gilt es erst nochmal zu überprüfen, bevor ich hier wilde Vorurteile verbreite:-)

Montag, 12. Januar 2009

wieder im Alltag - back to the structure

10 Tage sind vorbei ohne dass ich neue Chaos geschichten zu berichten hätte.
Es scheint fast als ob mein Vorsatz für 2009 funktionieren könnte. Ich werde ordentlicher sein und nicht mehr alles so ohne echten Plan anfangen. Naja, ehrlich gesagt glaub ich noch nicht 100%ig daran, aber eine Sache steht fest. Ich werde meine Ablageordnung überdenken, beziehungsweise mal eine anfangen.
Dann könnte ich nämlich auch sagen wo die Kaufbelege der gestohlenen Sachen sind und die dann einscannen und der Versicherung schicken. So ist das Ganze etwas komplizierter.
Vorerst beschützt mich der Büroalltag vor neuen Schneiderfahrten und sonstigen kostspieligen Fettnäpfchen.:-)

Ansonsten habe ich nach diesem höllisch heißen Wochenende meinen ersten Besuch eines öffentlichen Freibades hinter mir. Tatsächlich muss man sich einer medizinischen Kontrolle unterziehen, bevor man hineindarf.
Das heißt sich in die übliche Schlange einreihen kurz abduschen, dann einen Fuss nach dem anderen vor der Krankenschwester heben, die Zehen und die Zwischenräume zeigen, Handflächen her, Arme hoch und zum Abschluss eine Läusekontrolle.
Nach diesem eingehenden Test wird man dann für 14 Tage "gesund geschrieben" und darf ins Schwimmbad.:-)
Allerdings war das Wasser so dreckig, dass ich mich frage ob der Gesundheitscheck dazu dienst das Wasser nicht weiter zu verschmutzen oder eher prüft ob der Beushcer gesund genug ist um diese Wasserqualität zu überleben.
...Sichtweite vielleicht 30cm. Lecker. Chris und ich haben jedenfalls entschieden lieber nicht unterzutauchen.

In Becken steht dann auf jedem Quadratmeter ein Argentinier und tanzt als ob es um sein Leben ginge zu megalauter Technomusik. Aquarobic fürs normale Volk in voller Lautstärke mit Vortänzer.
Der Rest sitzt draussen auf der verdörrten Wiese und verspeisst genüsslich mitgebrachte halbe Kühe und trinkt Cola dazu. Dagegen sind unsere Kühlboxen, die die Familien an den See mitschleppen wirklich Kleinkram.
Allerdings muss ich gestehen, dass am Schwimmbadkiosk die Semmel mit dünn geschnittenem Filetsteak vom Grill die Bayerische Leberkassemmel oder die Pommes rot-weiss auf meiner Freibad-fastfood-hitliste verdrängt hat.

Neben dem erstklassigen Techno machen die im 5 Minuten takt startenden Flieger deren Fahrwerke man deutlich erkennen konnte und die beiden grossen Ein und Ausfallstrassen neben der Liegewiese den Ort zu einer perfekten Ruhe Oase für den normalen Argentinier.
Ich konnte trotzdem auf meinem handtuch schlafen, was aber vermutlich eher an dem vorhergehenden Abend lag...

Aber damit ich nicht zur völligen Couchpotato werde habe ich am Samstag die größte Kletterwand der Stadt getestet, die aber allenfalls Platz für 8-10 Kletterer gleichzeitig bietet und bin seit heute im Fitness-studio angemeldet UND auch aktiv:-)

Bis dahin, schöne Grüße aus dem Land des Steaks,
Eure Corinna

Samstag, 3. Januar 2009

neues aus dem Leben von Miss Fettnäpfchen


What a day - oder vielmahr what a night...
bei unserem gestrigen Barbesuch mit Roland und Christian wurde ich um meine Handtasche erleichtert. Das bedeutet für mich ich werde nienienienie wieder eine Handtasche mitnehmen und wenn, dann stelle ich sie nicht mehr ab, sondern halte sie den ganzen Abend in der Hand. Wer mich kennt, weiß wie ich Taschen hasse und sie normalerweise immer schnellstmöglich loswerden will.
Nunja, diese bin nun endgültig losgeworden.
Das heisst im Detail bin ich auch meine Wohnungschlüssel samt meinem tollen 2.Heimat-Anhänger:-(, meinen Geldbeutel mit sämtlichen EC- und Kreditkarten und Personalausweis, meinem Fotoaparat und meinem Ipod, einem Pulli und meinem letzten deutschen Airways Kaugummi losgeworden.

Chris, der Engel, hat mich bei sich übernachten lassen und heute morgen haben wir erstmal meine Karten sperren lassen. Gottseidank hatte ich mein Handy daheim vergessen, so dass mir wenigstens das geblieben ist.

Der Schlüsseldienst hat mir für ein Vermögen von 1400pesos ca. 300 EUR mein Schloss aufgemacht und musste gleich ein Neues einsetzen. Ein horrender Preis, besonders wenn ich überlege dass ein Druchschnitts-Argentinier nur 2000 pesos im Monat verdient!
völlig irre, Wochenendaufschlag 30% und nochmal 30%, weil es ein Caso Urgente, also ein Notfall war und er gleich gekommen ist und nicht erst am nächsten Tag oder so.
Da ich ohne Karten ja nichtmal an Geld komme und so den Schlüsseldienst nicht direkt zahlen konnte, wollte er dann als Pfand mein Notebook!! mitnehmen. Aber auch aus dieser Klemme haben mich die Jungs gerettet. Haben ihre Stadtrundfahrt beendet und mir 1500pesos gepumpt.
An dieser Stelle nochmals ein riesengroßes Dankeschön an meine Helden!

Die nächsten Tage werde ich also mit Telefonaten mit den Banken und der Polizei und der Versicherung gut beschäftigt sein.
Hilft ja nix und trübsalblasen ist auch blöd, also gehn wir heute abend essen und danach evtl aus. Schliesslich ist nur n Haufen Geld dabei drauf gegangen und nichts wirklich schlimmes passiert:-)

Da kann das Jahr nur besser werden!

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Reiten, wandern, staunen - Weihnachten in Perú


füher als geplant bin ich wieder richtig in Buenos Aires angekommen und habe nun vorm Silvester feiern ein wenig Zeit meinen Blog auf Vordermann zu bringen.

am 27ten sind Julia und ich aus Perú von unserem Weihnachtsurlaub wiedergekommen. Chris, Roland und Andi sind noch ein paar Tage in Perú am Strand geblieben und hoffen auf Sonne, schöne Frauen und gute Getränke:-)

Mit dem Flugzeug in Cuzco angekommen haben wir gleich mal die Höhe gespürt. Alles ging uns ein bisschen langsamer von der Hand auf 3300m über dem Meer. Das Hostel, das wir von Buenos Aires aus gebucht hatten lag strategisch günstig mitten in der Altstadt von Cuzco. Hier weht durch die Strassen wirklich noch der Wind Lateinamerikas. Viele sprechen untereinander Quechua, die Sprache der Inkas, die wirklich nicht das geringste mit Spanisch zu tun hat. In Buenos Aires geht es dagegen wirklich sehr europäisch zu.
Da wir einen Tag früher als Chris und Roland ankamen, haben Julia und ich den Tag zum Stadterkunden und Alpacakram-kaufen genutzt.
Ganz fertig von der Höhe und der Hitze sind wir auf einem wunderschönen Platz vor einer Kirche ne Stunde eingeschlafen, was mir nen heftigen Sonnenbrand und den Beinamen "rote Zora" beschert hat.
Julia hat sich die Stirn auch ganz schön verbrannt und sich die nächsten Tage dann total geschält. >> Irgendwann werden wir es schon noch lernen uns auch bei Bewölkung einzucremen.
Mit den Jungs haben wir dann am nächsten Tag einen wahnsinnig aufregenden Reiterausflug gemacht und sind 2 h auf den minikleinen peruanischen Pferden durch die Anden geritten.

Es hatte neben Reiten auch Quadfahren zur Wahl gestanden und die Jungs waren beim Anblick unserer Rösser schon ein bisschen enttäuscht. Mir hats trotzallem gefallen und wir haben so immerhin etwas von der Landschaft um Cuzco gesehen.
Chris hat sein Pferd dank seiner Reitkunst sogar galoppieren lassen, aber musste es danach allerdings wegen Erschöpfung mit dem einer kleinen Engländerin tauschen.

Gut akklimatisiert starteten wir dann bei strahlendem Sonnenschein mit dem Bus zum Beginn des Inkatrails. Nach dem ersten schönen Tag total motiviert, haben wir alle die nächste Etappe über den Dead Woman Pass (4200m) gemeistert, den wir oben mit nem Gipfel-schnapserl begossen haben. Mann, ein Schluck Grapppa dort wirkt wie 10 auf normaler Höhe.
Leicht erheitert also, dann die tausenden Stufen hinab ins Lager.
Und das bei Nebel und Regen und Wind. Also wettertechnisch hat uns das Glück in der ersten Nacht vollkommen verlassen, so dass wir die sicherlich wunderschöne Natur leider nur in nächster Umgebung sehen, aber die verschneiten Gipfel und mit Regenwald bewachsenen Steilhänge nur erahnnen konnten. Echter Nebel und Regenwald eben. Unser Guide ist allerdings nicht müde geworden und bei jedem Stopp auf den "mystical view" hinzuweisen.:-)
Mir ist nun auch klar, warum die Inkas die Sonne so angebetet haben. Beim kleinsten Anzeichen einer Wetterbesserung waren wir auch schon völlig aus dem Häuschen.
Abends dann haben wir im Zeltlager zusammen Weihnachten mit "mystical tea" gefeiert, einen Beerentee mit VIEL Rum und Zucker, den unser Guide uns gemacht hat.
Die peruanischen Porter haben sogar für uns ein Quechua-lied gesungen,dem wir 5 mit deutschen Weihnachtsliedern entgegenhielten. Ausserdem haben wir untereinander gewichtelt.
Ich habe Alpacawollsocken und eine riesen Packung Aloevera-gel gegen Sonnenbrand bekommen:-) extra für die Rote Zora....
Den letzen richtigen Trekkingtag gings dann nochmal über nen kleineren Pass (3900m) und viele tausend Incastufen zum letzten Camp, wo es sogar ne warme Dusche und die bei Incatrail-trekkern berühmte Moskitobar gibt. Die Bar haben wir dann auch schön ausgenutzt, mit allen trekkern gefeiert um dann am nächsten morgen um 4Uhr die letzten 2 stunden nach Machu Picchu zu gehn.
etwas verkatert, sowohl im Kopf als auch in den Wadeln:-) sind wir bei Nebel am Sonnentor angekommen. Von dort sollte man eigentlich Machu Picchu auf dem Hügel sehen, aber wir hatten mal wieder nur mystical View. In dem Moment waren alle schon einigermaßen enttäuscht und nochdazu hundemüde und nass.
Endlich im wirklichen Machu Picchu angelangt hat sich für ein paar Minuten die Sonne gezeigt und uns einen einmaligen Blick offenbart. Dieser Ort ist wirklich einmalig auf dieser Welt.

Unten in Aguas Calientes, dem Talort beim Macchu Picchu, sind wir zum Abschluss noch in die Heissen Quellen zum baden gegangen. Schön im heißen Wasser relaxen und eine Pina Colada schlürfen, bevor wir auf der Heimfahrt alle im Zug und Bus geschlafen haben. ;-)

Und nun habe ich noch von einem echten Reisehighlight zu berichten.
Schliesslich war ich für Silvester mit Benni, Lukas und Matthias in Patagonien in El Chaltén verabredet, wo wir ein bisschen trekken wollten. Die drei sind grade in Chile unterwegs und diesen Plan haben wir schon lange in Deutschland geschmiedet.
Da ich erst am 17.Dezember wusste dass ich die Tage Urlaub habe, konnte ich auch erst dann die Reise buchen. Flüge hätte es nur noch ab 890 USD aufwärts gegeben, darum habe ich mich für den Bus entschieden.
Die Strecke ist echt richtig weit, aber ich hatte mich richtig gefreut die Jungs zu sehn und mit ihnen den Cerro Torre und Fitz Roy zu sehen. Die Kletterschuhe natürlich in Gepäck...
Also habe ich mich nach einer Nacht in Buenos Aires in der früh direkt zum Busbahnhof begeben. Die geplante und gebuchte Fahrt sollte einfach 26h dauern; Ziel: Fitz Roy

Gut gelaunt saß ich also im Bus, habe mir einen spanischen Film nach dem anderen angesehen und mit voller Vorfreude auf die wunderschöne Landschaft sogar mit Vergnügen die unendliche Ödnis der Pampa an mir vorbeiziehen lassen.
Nach so ungefähr 24h Fahrt wurde die Landschaft langsam hügelig. Für mich das sichere Zeichen, mich den ersehnten Bergen zu nähern. Cool, nicht mehr lange und ich kann schonmal n Hostel suchen, und vielleicht noch ein Tag Eisklettern bevor die 3 Jungs ankommen.
Doch als an meiner Fensterscheibe plötzlich wieder das Meer auftaucht, wird mir klar, dass da was ganz falsch laufen muss. Schnell den Reiseführer mit den Detailkarten raus, den letzten Stopp gesucht, um festzustellen, dass es auch einen minikleinen Ort an der patagonischen Küste gibt, der Fitz Roy heisst.

Bei dieser Entdeckung kann ich es mir nicht verkneiffen laut loszulachen. Mein Busnachbar ein älterer Argentinier erkennt welchem Irrtum ich gerade aufsitze und findet es auch unglaublich lustig. Er meint ich brauche dort gar nicht aussteigen, da ist sich eigentlich nur um eine Strassenkreuzung mit ein paar Häusern handle.

Ich habe dann unseren Busbegleiter gefragt ob ich nicht noch bis nach Rio Gellegos weitermitfahren kann. Nachdem er den ganzen Bus informiert hat, was mir, "la Alemana", passiert ist, habe ich nun wirklich alles Gelächter auf meiner Seite und so bin ich bekannt wie ein bunter Hund.
Schlussendlich steige ich um 3Uhr nachts in Rio Gallegos nach 38!!h Busfahrt aus, schlafe im Warteraum des kleinen Busbahnhofs. In der früh will ich den ersten Bus nach El Calafate nehmen und wenn das nicht geht dann eben einen Flug. Im Reiseführer steht es gäbe mehrmals täglich Verbindungen nach El Calafate.
Vorsichtshalber schreibe ich an Benni und Lukas ne SMS damit sie schonmal bescheid wissen.
Als sich morgens am Busbahnhof gar nichts regt, nehme ich ein Taxi zum FLughafen.
Der ist um halb acht morgens aber auch noch gottverlassen, aber immerhin sind die Türen offen, so dass mit meinem Schlafsack im Warmen noch ein bisschen schlafen kann. Draussen wütet nämlich bei ca 4 Grad der berühmte patagonische Wind.
Als dann endlich um halb 10 der erste Schalter geöffnet wird, erfahre ich dass der nächste Flieger nach El Calafate am 5ten Januar geht (da bin ich schon wieder im Büro) und es überhaupt heute nur 2 Flieger gibt und die gehen nach Buenos Aires.
Über Warteliste habe ich dann einen Platz im zweiten Flieger bekommen, habe mir vorher das ungeheuer interessante Rio Gallegos angeschaut, ein bisschen patagonischen Wind geschnuppert und bin abends totmüde und um einige Pesos erleichtert wieder in meiner Wohnung in BA angekommen.

Das war mit Sicherheit die längste und teuerste Schneiderfahrt, die jemals unternommen wurde:-)

Aber was solls, ich hab so viele Leute um mich rum zum lachen gebracht und ich selber muss auch immer wieder schmunzeln, wenn ich daran denke.
Nun werde ich mich zum Silvesterfeiern mit Julia und ihrem Besuch aus Deutschland treffen.
Schön, wenn man Freunde hat, die einen gleich aufnehmen!

Damit wünsche ich Euch allen einen schönen Abend, rutscht gut rüber! Ich freu mich schon im nächsten Jahr wieder von Euch zu hören!
Bilder gibts morgen, heute ist dafür keine Zeit mehr.

ein dickes Beso,
Eure Corinna